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BMG
Evolver
311
Evolver, BMG/Hydrophone Music, 2003
Nicholas Hexum Vocals, Guitar
Chad Sexton Drums, Percussion
S.A. Vocals
Tim Mahoney Guitar
P-Nut Bass
Produziert von: Ron St. Germain & 311 Länge: 41 Min 53 Sek Medium: CD
1. Creatures (for a while)7. Still dreaming
2. Reconsider everything8. Give me a call
3. Crack the code9. Don't dwell
4. Same mistake twice10. Other side of things
5. Beyond the gray sky11. Sometimes jacks rule the realm
6. Seems uncertain

Was, gibt es die immer noch? Denke ich, als ich den nunmehr siebten Release der Band aus Omaha, Nebraska in der Hand halte. Aber natürlich, warum auch nicht, nachdem sie in den Staaten immer noch ein ziemlich großes Ding sind, insbesondere nach dem letzten Album "From chaos", das sogar die Top Ten der Albencharts enterte und der daraus veröffentlichten Single Amber, die ebenfalls ein veritabler Erfolg wurde. In Europa hat sich 311 dagegen eigentlich nie so nachhaltig durchsetzen können, warum auch immer.

Gehen wir das neue Album doch mal im einzelnen durch: Creatures (for a while) ist ein klassisches Kreuzüber-Stück im typischen, leicht frickeligen 311-Stil (was den genau ausmacht, da werde ich noch darauf zurückkommen).
Das nachfolgende Reconsider everything beginnt mit einer geradezu punkigen Hookline, um dann aber wieder auf die gewohnten Crossoverpfade einzubiegen. Crack the code ist eher ein angerockter Reggae, während Same mistake twice auch von einer der angesagten Strubbelfrisuren-Jungspunde-Bands wie SUM 41 oder BLINK 182 sein könnte; durchaus hittauglich.
Das anschließende Beyond the gray sky ist musikalisch deutlich zurückgenommener und harmonischer; textlich verarbeitet Hexum darin den Selbstmord eines guten Freundes.
Seems uncertain ist ebenfalls einschmeichelnder Ear candy, geht mir aber zu sehr in Richtung SUGAR RAY und damit gepflegte Beliebigkeit.
Bei Still dreaming werden dann wieder etwas die Sporen in Richtung Crossover gegeben. Give me a call ist ein Rocksong im Rhythmus von Kingston Town, inklusive Steeldrums, während Don't dwell auf einem klassischen Donnerdaumen-Funkbass von P-Nut aufbaut.
Other side of things geht mehr in Richtung Nu Metal und ist das vielleicht heftigste Stück auf der Scheibe, während man das ausladende Someteims jacks rule the realm als einen halbwegs gelungenen Art-Rock-Versuch von 311 bezeichnen kann.

Einerseits stellt sich schon die Frage, ob die Welt solche Platten noch braucht. Crossover ist eigentlich nicht nur tot, sondern schon längst verwest, das hat ja mittlerweile selbst eine Schwachmatentruppe wie LIMP BIZKIT erkannt. Andererseits ist die Beharrlichkeit von 311 schon wieder bewundernswert: sie haben ihr Ding schon gemacht, als Fred Durst und Co. mutmaßlich noch in die Windeln machten und ziehen das auch weiter durch, wobei sie einen originären und unverwechselbaren Sound geschaffen haben, der sie von der Vielzahl anderer Crossover-Bands abhebt. Der typische 311-Sound ist nämlich dank starker Reggae-Einflüsse und zahlreicher, stilfremder musikalischer Neigungen der einzelnen Mitglieder (so ist Gitarrist Tim Mahoney bekennender John-Scofield-Fan) deutlich wärmer, freundlicher und entspannter als die musikalischen Ergüsse von KORN, LINKIN PARK und Konsorten. Und eine derartige Konsequenz ist mir dann auch immer noch lieber, als sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen und mit Zugeständnissen an Gevatter Zeitgeist auf den nächsten fahrenden Zug aufzuspringen.
Die Produktion kommt dem eher relaxten Crossover von 311 entgegen und ist angemessen ausgewogen; das war aber von Produzenten-Legende Ron St. Germain (u.a. CREED, LIVING COLOUR) nicht anders zu erwarten.
Nicht gerade die Neuerfindung des Rades, aber eine größtenteils angenehm ins Ohr gehende Scheibe mit etwas mehr Niveau, Substanz und Stil als sonst in diesem Genre üblich.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 16.11.2003