Motor Driven Bimbo
Live In Amsterdam
Rockbitch Sampler
Rockbitch Bitchcraft
Rockbitch Bitchoclock
Rocbitch

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Wer beim MOLLY HATCHET Album - »Kingdom of XII« genau hin hört, dem ist bestimmt die markante Backgroundstimme aufgefallen und beim Durchblättern des Booklet wird man sicherlich überrascht sein, die Stimme gehört Julie Worland, der Lead Sängerin der englischen Performance-Rockband ROCKBITCH.
Ein Grund mehr, uns einmal mit dieser interessanten wie umstrittenen Band zu befassen (der Deal mit Hatchet kam angebliche durch eine Liason zwischen Julie und dem gemeinsamen Produzenten zustande).

ROCKBITCH, das sind Julie (voc), Babe (guit, voc), The Beast, dem einzigen männlichen Mitglied (lead guit), Nikki (keyb), Jo (aka Epone) (dr), The Bitch (bass) und Luci (stage performance).
Sie alle entstammen einer Sexkommune aus hauptsächlich lesbischen oder bisexuellen Frauen und nur drei männlichen Mitgliedern, die seit etwa 10 Jahren in einem alten, ehemaligen Kloster in Frankreich beheimatet ist und wo sie ihre Lebensphilosophie, eine »heidnische, pro-sex, feministische Utopie«, eine Mixtur aus verschiedenen, spirituellen, matriarchalischen Naturreligionen, Tantra, Witchcraft, Okkultismus, Sexmagie und Feminismus, ausleben können.

Ihr provokatives Hardcoresex-Rocktheater, begleitet von Auftrittsverboten und staatlicher Zensur im In- und Ausland (z.B. dürfen ihre Videos nicht in die USA, Kanada, Japan, Australien oder UK eingeführt werden), erzielte zwar eine intensive Medienwirkung und eine weltweit wachsende Fangemeinde, ihre Kritiker vermuteten aber dahinter zumeist nur musikalische Unfähigkeit, andere einen reinen Marketinggag.

Letzteres weist die Band vehement von sich und unterstreicht ihre gesellschafts- und sozialkritische Botschaft, die ihrer Philosophie zugrunde liegt und musikalische Unfähigkeit kann man Ihnen auch absolut nicht nachsagen, was jeder leicht selbst feststellen kann, der sie einmal live gesehen hat oder ihre sonstigen Veröffentlichungen kennt.
Des weiteren erntete Bassistin Amanda (The Bitch) bereits diverse Musikerpreise und sammelte vor Rockbitch mit ihren Gefährtinnen Julie, Babe und The Beast (sowie einigen anderen, die hier jedoch keine Rolle mehr spielen), Erfahrungen in der Rockband RED ABYSS (Synonym für »menstruierende Vagina«), die zwar auch schon recht provozierende Texte verwendeten, auf der Bühne jedoch durchaus gesittet agierten.

Die »Hobbies« der Frauen, deren sie sich ja ungezwungen bekannten, stempelten sie in der männlich dominierten Rockszene jedoch zu Musikern zweiter Klasse und quasi zu Freiwild für verklemmte Veranstalter oder der Industrie ab, so dass ihre Gagen z.B. eher an irgendeinen Roadie gezahlt wurden als an die Frauen selbst, Agenten nicht mit weiblichen Managerinnen der Band verhandeln wollten, oder sogar männliche Support Bands ihre Auftritte sabotierten.

Irgendwann hatte man von der ständigen Diskriminierung die Schnauze gestrichen voll und wollte nur noch mit einem großen Knall abtreten. Die Band, zu dem Zeitpunkt schon in ROCKBITCH umbenannt, aber immer noch mit braver Performance, war für ein Harley Festival in Frankreich gebucht und nachdem man sich bereits hinter der Bühne mit den für Rockertreffs obligatorischen Stripperinnen »aufgewärmt« hatte, ließ man es auch auf der Bühne so richtig krachen, und zwar mit allem, was zu einer deftigen Sexshow dazu gehört.
50% der harten Biker waren entsetzt und verliesen fluchtartig das Gelände, der Rest war allerdings begeistert, und nicht nur die Männer.
Der Abend endetet in einer gepflegten Orgie und anderntags war man sich einig, die Gunst der Stunde zu nutzen und das erfolgreiche Happening als Konzept umzusetzen, in dem Spaß, Show und Message gleichermaßen enthalten sein sollten.

Es folgten mehrere erfolgreiche Europatourneen durch meist ausverkaufte Säle mutiger Veranstalter, 4 VHS Videos - 1996 »A Day in the Live«, ein von der Band selbst erstelltes »Home«-Video (nicht mehr erhältlich), 1997 »Bitchcraft«, ein unzensierter Mitschnitt ihres richtungsweisenden '97er Zaandam Konzertes, von dem es auch eine limited edition Doppel-CD »Live at Amsterdam« (5 track audio plus extra video CD) sowie eine DVD gibt (DCD nicht mehr erhältlich), 1998 »The Bitch O'Clock News«, eine Selbstdarstellung und Protestnote im Stil einer Nachrichtensendung (beide VHS), 1999 das erste Album - »Motor Driven Bimbo« (u.a. JPC), nachdem man sich eine Zeit lang geweigert hatte, Studioaufnahmen zu machen und nur auf die unverfälschte Live-Performance setzte sowie 2002 »Sex Death Magik« (nicht mehr erhältlich). Mit der Auskopplung »Evelin« sind sie auch auf dem 99er HM-Sampler »Ladies,Queens & Sluts« vertreten.

Musikalisch bieten ROCKBITCH ein Crossover aus Prog, Metal und Industrial, u.a. eine Palette von Einflüssen wie z.B. SKID ROW, RUSH, MÖTLEY CREW, RAGE AGAINST THE MACHINE oder FAITH NO MORE, mit Tendenz zu letzteren.
Über technischen Fähigkeiten lässt sich sicher streiten, ihr Schwerpunkt liegt naturgemäß in der Live-Performance.

Tour-Dates sind momentan nicht bekannt, zum einen wurden zahlreiche Gigs in letzter Zeit verboten, so dass man sich eine Weile von der Bühne zurückziehen wollte, um die Wogen zu glätten, zum anderen waren diverse Probleme mit ihrer Plattenfirma (Steamhammer/SPV) ausschlaggebend für diesen Schritt.

Ein neues Album »Psychic Attack« (früher als »The Kali Yuga« angekündigt - im indischen Glauben eines der Herrschaftszeitalter der Göttin Kali - Die Red.) ist dafür lt. Pressemitteilung seit dem 31.01.2001 im Kasten.
Das Album soll noch mehr Richtung Gothic/Industrial gehen als schon bisher. Die Aufnahmen entstanden wie zuvor im Hamburger Karo Studio, zum ersten mal jedoch ohne den Gitarristen The Beast (der zum Manager umfunktioniert wurde), seinen Part übernahm Babe mit Unterstützung von Luci an der Rhythm Guitar.
»Psychic Attack« sollte "demnächst" in den Vertrieb kommen, dies ist bisher leider nicht geschehen und wird es wohl auch nicht, wenn man den weiteren Werdegang der Band verfolgt (siehe dazu auch "A Passion Play?").

Ralf Frank, (Artikelliste), 06.03.2001 (updated)