Photocredits:
Harald Elbracht
Metal Lightning Attack
Metal Meat
Loud'N'Proud
Red House
Sixpack
Sick 'n' Roll

Mad Butcher
Eine Ruhrgebietsgeschichte

Mad Butcher MK I

Zum 10-jährigen Jubiläum von LOUD'N'PROUD und quasi 20-jährigem Jubiläum von MAD BUTCHER, kramt Bandgründer "Metal"-Harry Elbracht für das Hooked on Music in seinen Erinnerungen und HoR Redakteur Ralf, der beide Bands in allen Entwicklungsstadien freundschaftlich begleitet hat, gibt ab und an seinen Senf dazu.

Metalharry - I had a dream...

Die Geschichte beginnt an einem Kickerabend im Januar 1981 in Essens Szene-Treff SIGGIS KALEI (international bekannt als Bulettenspezialist in den Haferkamp Tatorten, obwohl es da nie Buletten gegeben hat! - Ralf). "Metal"-Harry Elbracht und 3 seiner Kumpels (Guggi Schirrmacher, Sydney Keller und Manni Salhöfer) sind seit Jahren Hardrock- und Heavymetal-Freaks. Aufgewachsen mit ihren Helden von u.a. Judas Priest, Ted Nugent, damals noch unbekannten Insider-Bands aus USA (z.B. Riot, Molly Hatchet, Y&T) oder England (Motörhead, Saxon, Iron Maiden) wollen sie der Welt zeigen, dass auch in Germany coole Mucke machbar ist.

Mad Butcher im Proberaum

In einem fensterlosen Raum in einem alten Bunker in Altenessen (mit Nachbarn wie Kreator, Sodom oder Living Death - Ralf), werden die Wände mit Matratzen vom Sperrmüll schallisoliert, Geld für gebrauchtes Equipment (hässlich aber laut) zusammengekratzt, ein Kühlschrank mit Bier voll gepackt, Stecker rein und WROOOOM...
MAD BUTCHER war geboren.

Die Jungs lernen Songs von den Veröffentlichungen obskurer Bands der NWOBHM nachzuspielen (Jaguar, Quartz, Bitches Sin, Holocaust, Weapon, Paralex, Handsome Beast usw.) und hoffen darauf, dass bei den ersten Gigs in Schul-Aulen, Jugendzentren und Freizeitheimen niemand die Originale erkennt... als Zugaben zimmern MAD BUTCHER brutale Versionen von Motörheads Overkill und Priests Breaking the law unter's dankbare Bangervolk.

Destruction traf die Band zum ersten Mal 1983 beim gemeinsamen Konzert mit Sodom und Kreator in Essen, der Name Mad Butcher schien ihnen gefallen zu haben... (german thrash pioneers aus Weil a.R., die 1987 eine EP namens "Mad Butcher" veröffentlicht und auch beim Coverdesign deutlich abgekupfert haben - Ralf)

Mad Butcher Pressefoto

Im Laufe der nächsten Jahre drehte sich das Besetzungskarussell (bekannte Namen wie Michael Rindfuß, Mario Liese, Bimbo Mikuscheit oder Volker Jäckel gaben sich die Ehre - Ralf), es wurde alles professioneller, eigene Songs entstanden, man spielte sich den Arsch ab im Revier, eigener Bandbus (I break together, welche Ehre für die alte Schüssel - Ralf), eigene PA, 24-Kanal-Mischpult, oh yeah...

1985 die erste LP: "Metal Lightning Attack", veröffentlicht auf dem legendären Earthshaker Label

Mad Butcher Live

Gigs mit Steeler, Warlock, Helloween, Faithful Breath, Sinner, Grave Digger, Trance, Cutty Sark... Aardshock Festival, Dynamo, Scream Festival mit Liveübertragung im WDR-Radio... it gets growing...

Mad Butcher meets Slayer

1986 der Sprung nach USA, Kontakte mit Slayer, Exodus, Heathen, Laaz Rockit, Brocas Helm.

Unser Dreamboy Metalharry wird zum Bandschlächter beim Metal Hammer. (Kein Kommentar - Ralf)

1987 die 2. LP: "Metal Meat" auf dem Abzocker-Label Metal Enterprise vom Guru aus Usingen: Ingo Nowottny (eventuelle Verleumdungsklagen etc. bitte direkt an Metalharry, Danke - Ralf).

Da er und seine Bande sich nicht um irgendwelche Hypes und Trends kümmern, sich bei niemanden anscheißen, mit Shorts, kurzen Haaren und Brille die Bühnen entern (1987!!!!), das Publikum ironisch verarscht - wird MAD BUTCHER zum Auslaufmodell.
Von ihren Veröffentlichungen sehen sie keine müde Mark - so ist das Business.

Die, ach so harte, Metal Szene duldet nur noch finstere, nietenbehangene Spandexbacken, die völlig zugeknallt nach der Hölle rufen.
Thrash-, Black- und Death-Metal, Gothic, Doom und Grunge gehen den Jungs völlig am Arsch vorbei.
Cooler Biker- und Boogie-Rock, mit Drive und Groove gespielt, ist ihr Ding.
Damit ist man natürlich in der Szene voll neben der Spur in den Neunzigern. Aber ein echter Rocker hält durch...

Loud'N'Proud Live

Durch zahllose Gigs gestählt, mit spielerischen Fähigkeiten und einer überzeugenden Bühnenperformance ausgestattet, ist 1992 die Zeit reif für eine neue Band: LOUD'N'PROUD.

In der klassischen Besetzung Guitar, Bass, Drums plus einem unverwechselbaren Gesang, schaffen die Jungs einen Meilenstein des zeitlosen Rocks, ganz in der Tradition von Blackfoot, Molly Hatchet, Thin Lizzy oder ZZ Top.

Live im Studio, ohne störende Overdubs eingespielte 12 Songs finden sich auf der CD "Don't drive me home".

Die Arrangements lassen genug Raum für Improvisationen und spannende Tempowechsel. Getragen von dem super aufeinander eingespielten Rhythmusteppich aus Bass und Drums (Timo Oehlke, Reinhard Gollan), liefert der Gitarrist Rolli Borchert eine Glanzleistung nach der nächsten ab. In Deutschland sicherlich einer der Besten seines Fachs (sogar U.D.O. wollte ihn mal abwerben, war dem Rolli aber zu stressig - Ralf)...

Los geht's mit
1.ON THE RUN - einem coolen Song, der aus einem Roadmovie oder Western entsprungen sein könnte
2.TOO LOUD - ein straighter Groover mit dem einzig wahren Motto: "if it's too loud - you're too old"...
3.FIGHTING IN THE GHETTO - das Riff kriegt man nicht mehr aus dem Kopf...
4.MEANING OF LIFE - powerful, voll auf die Glocke
5.LOST IN THE SEA - der "Highway Song", "Freebird" oder "Fall of the Peacemaker" von Loud'N'Proud
6.RESCUE ME - ein Liveknaller mit Gänsehaut-Refrain
7.IN MY APPARTMENT - "La grange"-inspiriert
8.GOING DOWN - der Klassiker in einer furiosen Version
9.MAYDAY - die Ballade mit Gastkeyboarder
10.DON'T DRIVE ME HOME - ein gerader Rocker, der Titeltrack
11.MESSIN' AROUND - Powergroover für die Landstrasse
12.WISHING WELL - noch ein Klassiker mit bärenstarker Improvisation, der längste Track mit über 8 Minuten, sagenhaft was die Jungs daraus gemacht haben...

Insgesamt über 70 Minuten eine Topscheibe zum Zuhören oder Abrocken... auch noch in 10 Jahren.

Wie schon anfangs erwähnt: ...i had a dream.

Metalharry 2002

Soweit Metalharry himself, vielleicht ab und zu ein klein wenig dick aufgetragen, aber in der Erinnerung leuchten die Farben halt heller (der guten Ordnung halber - Ralf).

Red House

Nachzutragen wäre noch, dass Metalharry wegen einer schweren Erkrankung die Band kurz nach Fertigstellung der CD verlassen musste.
Die restlichen Bandmitglieder waren eine Zeit lang weiterhin als Blues'n'Boogie Trio namens RED HOUSE aktiv und haben neben der selbstproduzierten Demo-CD "Red House" sowie diversen Live-Mitschnitten auch mehrere offiziellen Releases am Start, u.a. eine 6 Track EP-CD mit dem treffenden Titel "Sixpack" sowie den Longplayern "Sick'n'Roll" und "Jimi calls you...(VÖ: 2006).
RED HOUSE sind mitllerweile unter neuem Line Up unterwegs, während Rolli bei dem Hard-Blues-Southern Rock Outfit BLUES BUREAU und Timo bei der Coverband PUBCOP klampfen.

Timo und Rolli gehen dabei normalen Jobs nach, Drummer Reinhard "Reiner" Gollan betreibt derweil in Gelsenkirchen die Firma "Reiner Sound" - Veranstaltungstechnik, die neben einem professionellen Tonstudio auch Beschallungsanlagenverleih jeder Größe betreibt.
Ob DJ-Anlage für die Privatfete oder Open-Air Konzertbeschallung, "Reiner Sound" stellt für jeden Zweck die richtige Anlage. Auch komplette Bühnen inkl. PA, Lichtanlagen, Mischpulte etc.gehören zum Sortiment, auf Wunsch samt Logistik, Techniker, Security und Personal.
Als besonderen Service bietet die Firma auch Live-Mitschnitte und Dekorationen wie Backdrops und Bühnenfahnen in allen Größen.
Mehr Info zu RED HOUSE über die neue Offizielle Red House Homepage und Reiner Sound sowie zu BLUES BUREAU oder PUBCOP über deren Facebook Auftritte.

Metalharry/Ralf

Ralf Frank, (Artikelliste), 25.04.2002 (Update: 2015)

Harald "Metalharry" Elbracht, (Artikelliste), 25.04.2002